Diagnose verarbeiten

  • Die Diagnose einer hämatologischen Erkrankung ist zunächst immer ein Einschnitt in das bisherige Leben
  • Nach einer ersten Verarbeitung der neuen Situation gilt es, den Blick nach vorn zu richten
  • Es gibt Unterstützung und es gibt Hoffnung, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen

Die Diagnose „Blutkrebs“ zu erhalten, ist für die meisten Betroffenen im ersten Moment ein Schock. Sie kann einen zunächst zwar aus der Bahn werfen – und dennoch gibt es heute eine ganze Reihe von Möglichkeiten bzw. Hilfen, die Sie bei der Bewältigung der Erkrankung und Ihren Sorgen unterstützen können. In den Abschnitten Perspektiven finden und Psychoonkologie erfahren Sie, worauf Sie sich einstellen sollten, wie Sie sich nach der Diagnosestellung wieder fangen können und warum die Diagnose kein Grund zur Verzweiflung sein muss.

Eine Diagnose, die es zu verarbeiten gilt

Panik, Fassungslosigkeit, eine Welt bricht zusammen, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen: Solche Gedanken und Gefühle können ganz plötzlich aufkommen und drohen einen zu überrollen, wenn man die Diagnose „Krebs“ gestellt bekommt. Dass Sie direkt nach der Diagnosestellung vielleicht in ein tiefes Loch fallen und verzweifelt sind, kann in den ersten Tagen oder Wochen völlig normal sein. In dieser Krisenphase kann es zu ganz unterschiedlichen Reaktionen von Schockzustand, Verleugnung (Nicht-wahrhaben-Wollen) bis hin zu intensiver Informationssuche kommen. In der sich anschließenden Phase der ersten Stabilisierung findet dann eine erste Vertrautheit mit der Erkrankung statt, dennoch sind die meisten Personen bestrebt, so aktiv wie vor der Erkrankung zu bleiben oder wieder zu werden. In den nächsten Phasen der Krankheitsbewältigung können die Bewältigungsstrategien – das sog. Coping – dabei helfen, die Erkrankung in das gegenwärtige Leben zu integrieren und eine gewisse „Krankheitsakzeptanz“ zu entwickeln.1

Es ist naheliegend, dass diese Phase bei jedem Menschen unterschiedlich aussehen kann, denn jeder fühlt und denkt in solch einer Situation anders. Auch die Bewältigungsstrategien sind ganz unterschiedlich. Und: Was für den einen hilfreich ist, muss für den anderen noch lange nicht hilfreich sein. Schon alleine deshalb gibt es keine allgemeingültigen Ratschläge, jedoch einige Empfehlungen, die man geben kann.

Die großen Herausforderungen lassen sich zusammen besser bewältigen

Wenn Sie beginnen, sich zu informieren, und auf diesen Seiten gelandet sind, haben Sie bereits einen wichtigen Schritt getan. Sie schauen nach vorne: Wie geht es weiter? Wie kann ich dieser neuen Situation begegnen? Was ist das überhaupt, was mich in Zukunft gezwungenermaßen begleitet? Mit der Krankheit zu leben und mit ihr zurechtzukommen, das alles ist eine große Herausforderung, die sich zusammen besser bewältigen lässt – mit Hilfe der Familie, von Freunden oder Bekannten. Zudem gibt es zahlreiche Gruppen und Kontaktmöglichkeiten, in denen Sie sich kennenlernen und austauschen können. Nutzen Sie diese Chance, denn die Erfahrungen anderer Betroffener können in Ihrer individuellen Situation eine große Unterstützung sein.

Viele Patienten – und auch Angehörige – fühlen sich nach der Diagnosestellung, aber auch im weiteren Verlauf der Erkrankung oder danach psychisch belastet. Dies ist eine normale Reaktion auf ein belastendes Ereignis – wie eine Krebserkrankung – und kein Zeichen von Schwäche oder „schlechter“ Verarbeitung. In vielen Fällen nimmt die Belastung mit der Zeit wieder ab oder kann durch die gemeinsame Bewältigung in der Partnerschaft, Familie oder im Freundeskreis gelindert werden. Es kann auch zu Schwankungen kommen. Wenn z.B. ein Arzttermin ansteht, kann die Anspannung und Belastung wieder steigen. Dennoch kann es sein, dass die Belastung wie Ängstlichkeit oder Depressivität sehr stark ist und zu einer eigenen Erkrankung – einer Depression oder Angststörung – werden kann. Hier ist es sinnvoll, sich Unterstützung bei einem Psychotherapeuten zu holen.

Prof. Dr. rer. nat. Tanja Zimmermann
Professorin für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Transplantationsmedizin und Onkologie an der MH Hannover
1 Patricia A. Fennell, Managing Chronic Illness Using the Four-Phase Treatment Approach: A Mental Health Professional´s Guide to Helping Chronically III People, ISBN: 978-0-471-46277-4, October 2003